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Bericht: Allgemeine Grundausbildung (AGA) – die ersten Tage (2/2)

Montag, November 6th, 2006

Dies ist der zweite Teil (von 2 Teilen) des Berichts über meine Allgemeine Grundausbildung.
Zum ersten Teil gelangst du hier!

zeitlicher Ablauf

Die zeitlichen Regelungen, die von Kompanie zu Kompanie und von Teilstreitkraft zu Teilstreitkraft nochmal stark variieren können (beim Heer hat man mehr Dienst, muss meist früher aufstehen etc.) waren wie folgt:


- Frühstück war bei uns um 8.00Uhr, wenn ich mich richtig erinnere, das hieß um 7.00Uhr wurden alle aus ihren Betten geschmissen, vom UvD oder den GvDs (Gefreiter vom Dienst, ab der 2. Woche ca. wird dieser “Job” von den neuen Rekruten durchgeführt).
Dann hieß es sich in völlig überfüllte Badezimmer zu quälen, zu duschen und was man sonst noch für nötig oder nicht nötig hielt. Manche Kameraden haben ihren Wecker schon auf 6.45Uhr gestellt um nicht in der Dusche und im Badezimmer so einen Andrang zu haben, wo man dann meist echt anstehen musste.
Die Duschen sind übrigens bei der gesamten Bundeswehr Gemeinschaftsduschen (zumindest bei den Mannschaftsdienstgraden, denen man während der gesamten Grundausbildung angehört, wenn man nicht schon eine abgeschlossene Ausbildung hat, die angerechnet wird und man sich verpflichtet), das heißt ein ca. 3m mal 4m großer Raum mit 6 Duschmöglichkeiten (das kann natürlich auch variieren).
Das antreten zum Frühstück lief bei uns erst zugweise in dem jeweiligen Gang des Zuges ab, dann wurden alle rausgerufen, vor die Kompanie, wo der UvD ein paar Ankündigungen machte, u.a. welcher Zug als erstes zum essen darf, was immer viele Diskussionen ausgelöst hat, da der erste Zug natürlich a) mehr Zeit zum essen hat und b) Essen bekommt, das bei den anderen dann schon vergriffen ist (Nutella, Kakao etc.). Außerdem wurde hier die Post verteilt.
Die Essensqualität war nicht gut, aber man konnte den Hunger stillen, doch dazu evtl. später an anderer Stelle mehr.


- Um 8.45Uhr gab es dann vor den Stuben ein Gruppenantreten, wo der Gruppenführer/ stellv. Gruppenführer die Gruppe begrüßt hat, der Dienstplan und Tagesablauf wurde geschildert, Fragen können gestellt werden, die Anzugs- und Rasurkontrolle findet statt.


- Irgendwann um Mittag rum gibt es dann eine einstündige (oder 45min?) Mittagspause.


- Dienstschluss gab es um 16Uhr, normalerweise. Normalerweise heißt wenn alles gut gelaufen ist und sich kein Vorgesetzter über irgendetwas geärgert hat, was aber ziemlich häufig vorkommt :D


- Zapfenstreich um 23.00Uhr (um diese Uhrzeit müssen alle in ihren Betten liegen, es darf kein Licht mehr brennen und man soll schlafen. Wirklich zu überprüfen ist das natürlich nicht, so dass man mp3-Player z.B. ohne weiteres noch hören kann und auch lesen geht u.U.)
Einer auf jeder Stube musste bei uns noch im Sportanzug die Abmeldung durchführen (“Flieger XY, Herr Oberfeldwebel [je nach Dienstgrad des UvDs (Unteroffizier vom Dienst, der Vorgesetzte, der auch über Nacht dableibt)] ich melde ihnen die Stube 304 mit 6 Soldaten belegt, 5Soldaten in ihren Betten. Die Stube ist gelüftet, gereinigt und zur Abnahme bereit”). Dann wenn die Stube sauber war, keine Zeitungen vom Vortag mehr auf dem Aktenbock lagen (“wer will die denn noch lesen?”) konnte sich auch der letzte Soldat schlafenlegen. Ansonsten musste er noch den Müll beseitigen.



Einkleidung

Am dritten (?) Tag sind wir in die Bekleidungskammer gefahren, die außerhalb der Kaserne lag, eine ca. fünfzehnminütige Busfahrt ans andere Ende von Germersheim.
Dort gab es dann die Ausrüstungsgegenstände, auf die man schon seit dem ersten Tag gewartet hatte:
- die “richtige” grüne Flecktarn-Uniform, bis dahin waren wir immer in dem blauen Sportanzug (“Schlumpftarn” :D ) umhergelaufen
- den Gefechtshelm
- Schlafsack
- Regenausrüstung
- Kampfstiefel, Hallenschuhe und Outdoorschuhe (die Schuhe darf man am Ende der Bundeswehrzeit alle behalten, den Rest nicht!)
- Handschuhe
- Dienstanzug (für besondere Anlässe, mindestens das Gelöbnis)
- nicht zu vergessen: die “Badepantinen” und einiger weiterer Krimskrams, von dem aber alles an der ein oder anderen Stelle genutzt wurde


Ein paar Sachen, u.a. Zelt, Klappspaten lagen schon von Anfang an in unseren Spinden, man sollte darauf achten, dass auch all das da ist, wofür man unterschreibt!


Das erste mal, dass wir ein Gewehr (G36) in unseren Händen gehalten haben war gegen Ende der 2. Woche, aber man bekommt es in der AGA so oft zu sehen, dass es am Ende schon lästig wird.
ACHTUNG: bis zu diesem Zeitpunkt ist es noch möglich zu verweigern, auch wenn ihr den Dienstantritt schon hinter euch habt. Sobald ihr die erste Ausbildung mit dem Gewehr hinter euch habt ist es bedeutend schwieriger da zu argumentieren, das sollte man bedenken.


Bei der Luftwaffe sind normalerweise (wenn man nicht in der LwSichStff S landet, wie es bei mir der Fall war) das G36 und die Pistole P8 die einzigen Waffen, mit denen man während dem Wehrdienst schießt. Beim Heer kommt noch das MG3 (bzw. wird jetzt auf ein anderes, leichteres MG umgestellt) hinzu.


Heimschläfer kann man während der allgemeinen Grundausbildung nicht werden, es wäre wohl auch sehr anstrengend. Was man in der Zeit zwischen Dienstschluss und Zapfenstreich macht ist freigestellt (bzw. mussten wir um 22Uhr wieder zurück in der Kaserne/ Kompanie sein.


Von meiner Kompanie konnten alle Soldaten am ersten Wochenende nach Hause fahren, die Kompanie eines Freundes von mir, der beim Heer war, musste geschlossen in der Kaserne bleiben. Hierzu kann man also keine sicheren Aussagen treffen. Wer am 2. Wochenende GvD-Dienst hat muss unter Umständen also die ersten beiden Wochenenden in der Kaserne bleiben – Arschkarte :-D


Für die Anreise bekommt man ein Zugticket gestellt, so dass dadurch keine Kosten entstehen. Außer bei der An- und Abschleusung werden Autofahrten NICHT bezahlt!
Mir hat jemand gesagt, dass man im KWEA (Kreiswehrersatzamt) bevor man den Einberufungsbescheid erhalten hat beantragen kann anstatt der Bahnkarte die Autokosten ersetzt zu bekommen. Ob es stimmt weiß ich nicht => nachfragen!




Das war es auch schon, vom Ablauf der AGA in den ersten paar Tagen und etwas darüber hinaus. Sollten noch Fragen auftreten beantworte ich die gerne, nach Möglichkeit.

Auf der Seite Aga-macht-Gaga.de hat ein Bekannter von mir noch mehr nützliche Informationen bereitgestellt.
Wenn ihr mehr über den Wehrdienst erfahren wollt, dann schaut auf seiner Seite vorbei! :)

Bericht: Allgemeine Grundausbildung (AGA) – die ersten Tage (1/2)

Montag, November 6th, 2006

Bevor ich zum Grundwehrdienst in die 12. Kompanie des Luftwaffen- ausbildungsregiment 3 (12./LwAusbReg 3) in Germersheim einberufen wurde, habe ich mich im Internet nach Informationen, speziell was die ersten Tage während der Bundeswehrzeit angeht umgeschaut und war erstaunt, dass ich (zumindest zu diesem Zeitpunkt – mein erster Tag als Soldat war der 01.07.2005, allerdings mussten wir erst am Montag den 04.07. erscheinen) keine Informationen finden konnte.

Diesen Missstand will ich mit diesem Eintrag aus der Welt räumen und Licht in die Dunkelheit bringen :-) .

Vorgeplänkel

Im Einberufungsbescheid liegt soweit ich mich erinnere eine Erklärung bei, wie man die erste “Dienstreise” mit der Bahn kostenlos durchführen kann. Es werden aber auch die Kosten für die Anreise mit dem Auto ersetzt (das läuft über eine Kilometerpauschale, die ich nicht im Kopf habe, insgesamt ist es aber ein großzügig angesetzter Betrag).

Da ich einen eigenen PKW besitze, habe ich das natürlich ausgenutzt und mich für diese Art der Anreise entschieden.
Zwei Uhr mittags oder wie man bei der Bundeswehr sagen würde (1400 (vierzehnhundert)) war als Uhrzeit angegeben, aber wie gewöhnlich kam ich natürlich zu spät.
Ich hatte darüber vorher noch mit einem Freund gescherzt (mit der Gewissheit natürlich pünktlich sein zu wollen), da ich in meiner Schulzeit fast immer zu spät zum Unterricht gekommen war..
Als ich ankam (ca. 15min Verspätung) waren alle anderen Rekruten schon vom Tor abgeholt und von einem Vorgesetzten in die Kaserne begleitet worden.
Mein Auto stellte ich direkt neben dem Tor auf dem “Besucherparkplatz” ab (diese Parkplätze sind für Besucher freizuhalten! :-D ).

Mit meiner Tasche bepackt, dem Einberufungsbescheid und Personalausweis in der Hand konnte ich tatsächlich ohne weitere Probleme das Tor passieren und nach weiteren Nachfragen bei Soldaten innerhalb des Kasernengeländes konnte ich auch zu dem Gebäude meiner Kompanie (12., steht auf dem Einberufungsbescheid) finden.

Jede Kaserne hat übrigens neben dem großen Tor für die Autofahrer auch eine “normale” Tür im Zaun, die man als Fußgänger nutzen sollte, ansonsten kann es schnell passieren, dass man vom Wachhabenden direkt mal zurechtgestutzt wird. Am Anfang lassen sie dazu keine Gelegenheit aus.

Im Eingangsbereich war ein Tisch aufgestellt, die Treppe hoch reihten sich in zivil gekleidete “Jugendliche” in meinem Alter (das ganze war eher weniger diszipliniert, wer sich an die Wand lehnte wurde mit einem unter den tausend Standardsprüchen, die jeder BW-Soldat in seinem Repertoire hat darauf hingewiesen: “die Wand steht auch ohne Sie!” … ).

Von Disziplin kann allerdings auch auf Seiten der Stammsoldaten (die Soldaten, die nicht zur Ausbildung in der Kaserne sind, sondern dauerhaft als Ausbilder oder mit einer anderen Tätigkeit) nicht die Rede sein. Es gab einen Zettel mit Stationen, die man durchlaufen musste, wobei manche Stationen allerdings sehr lange brauchten und andere eben nur sehr kurz. Dadurch gab es schon bald sehr lange Warteschlangen vor den Stationen, die länger brauchten.
Der Lösungsversuch die Rekruten aus dem hinteren Teil der Schlange zu anderen Stationen umzuleiten war nicht ohne weiteres durchzuführen, da diese oft schon die entsprechenden anderen Stationen gemacht hatten. Die, die sie noch nicht hatten wollten allerdings nicht aus der Schlange, weil sie schon so weit vorne standen.

Auf Grund dieser mangelhaften Organisation könnte man glauben, dass es die erste Einschleusung (so der “offizielle” Bundeswehr-Begriff) in dieser Kompanie gewesen ist. Es handelt sich allerdings um eine Ausbildungskompanie, die seit X Jahren vier mal im Jahr dieses Prozedere durchläuft. Trotzdem hat niemand einen richtigen Plan aufgestellt, der funktioniert und auch eingehalten werden kann – symptomatisch für die Bundeswehr…
Aber es war ja einer der Vorgesetzten krank erklärte man uns (der wusste schon, warum er lieber zu Hause geblieben ist :D )

Der Ablauf der Einschleusung

Nun aber konkreter zum Ablauf des ersten Tages.
Wer hofft seine Uniform schon im Spind hängen zu haben erst einmal zu exerzieren, den muss ich an dieser Stelle enttäuschen.
Die erste Bekleidung ist der babyblaue baumwollene Sportanzug, bestehend aus “Trikot”, Jacke und Hose (T-Shirt, Trainingsjacke, Hose) mit schwarzem Bundesadler auf Jacke und Shirt ;-) .

Am Tisch im Eingang des Gebäudes bekam jeder Rekrut als erstes einen Kugelschreiber (von miserabler Qualität, die meisten Werbekullis schreiben besser) und einen Schreibblock ausgehändigt – bei mir von einer gut gelaunten (Ironie!) Frau Oberfeldwebel. Den Dienstgrad konnteich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht erkennen, aber keine Angst, das lernt man früh genug (Oberfeldwebel ist übrigens dieses Symbol: “>>”).

Vorne auf den Block sollte man dann die PK (Personenkennziffer) und den Namen schreiben.
Die Personenkennziffer begleitet euch eure gesamte Bundeswehrzeit, sie ist eure Identifikationsnummer, die bspw. auch auf der “Hundemarke” eingraviert ist (wenn sich dabei niemand verschrieben hat, kommt alles vor *g*).

Die Stationen, die man durchlaufen musste, waren:

  1. das Beziehen der Stube
    Die Stube, auf die man kommt kann man sich nicht aussuchen, man bekommt eine Stube zugewiesen und wenn man Glück hat kann man sich dann ein Bett aussuchen. Ich habe das obere Bett eines der drei Doppelbetten gewählt, was ich nur empfehlen kann!
    Außerdem bekamen wir den Schlüssel für unseren Spind ausgehändigt. Das Außen-Vorhänge-Schloss war also schon am Spind dran, ein weiteres Schloss für das Privatfach, dass innerhalb des Spinds liegt sollte man dabei haben.
  2. Angabe der Bankdaten, damit der Wehrsold auch überwiesen werden kann :-)
  3. Meldung im Geschäftszimmer (Angabe von ein paar Daten)
  4. Medizinische Untersuchung (wenn man sagt, dass sich der Gesundheitsstand seit der Musterung nicht geändert hat wird das festgehalten und man kann wieder gehen)

An die einzelnen anderen Stationen kann ich mich nicht mehr erinnern.

Als dieses Prozedere fertig war wurde die gesamte Kompanie (eine Kompanie sind mehrere Züge (in der AGA waren es 3), die jeweils aus 4 Gruppen bestehen, mit jeweils ca. 12Soldaten (=2 Stuben)), also ca. 150 Mann in den KUR = Kompanie-Unterrichts-Raum gerufen, wo der Kompaniechef & Spieß (Kompaniefeldwebel, der mit der gelben Schnur um die Schulter) sich vorgestellt und uns eingewiesen haben.

Zum zweiten Teil des Berichts gelangst du hier.

Bundeswehr / Wehrdienst – Pro und Kontra

Donnerstag, August 3rd, 2006

Laut einer Statistik wird nur noch ca. jeder 7. zum Wehrdienst eingezogen.
Einer von diesen wenigen Glücklichen war ich ;-)

Nein, wirklich – es war meine freie Entscheidung zur Bundeswehr zu gehen.
Es ist nicht schwierig einen Verweigerungsantrag zu schreiben, wenn man lieber Zivildienst machen möchte – von “einziehen” kann also nicht mehr die Rede sein. Wer lieber Zivildienst machen möchte, der hat normalerweise keine Schwierigkeiten es durchzusetzen.
Dabei besteht im deutschen Gesetz diese Wahlmöglichkeit nicht.

Gemäß § 1 Wehrpflichtgesetz (WPflG) sind alle Männer vom vollendeten 18. Lebensjahr an wehrpflichtig, die Deutsche im Sinne des GG sind.

Nach den Grundrechten im Grundgesetz darf niemand gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden. Die Kriegsdienstverweigerer müssen dann einen Wehrersatzdienst bzw. Zivildienst leisten. Eine immer wieder fälschlicherweise angenommene Wahlmöglichkeit zwischen Grundwehrdienst und Ersatzdienst besteht nicht. Grundsätzlich ist der Grundwehrdienst abzuleisten.

Es ist besteht kein Wahlrecht. Dabei sind die häufigsten Gründe pragmatischer Natur: welcher Dienst ist angenehmer, worauf habe ich mehr Lust?
Es ist ausschließlich eine Frage des Gewissens:

Kann ich es mit meinem Gewissen vereinbaren, ein anderes menschliches Leben auszulöschen, wenn ich in eine entsprechende Lage komme und die Anweisung dazu erhalte.

Unter Umständen nimmt man damit einem Menschen das Leben, der keine Wahl hatte an diesem Krieg teilzunehmen. Ein Mensch mit einem Namen, einem Alter, Erfahrungen, Freunden, einer Familie, Kindern etc.
Kann ich DIESEN – im speziellen Fall, der eintreten könnte und nicht “irgendeinen” – Menschen erschießen?

Diese Frage musst du für dich beantworten.

Meiner Erfahrung nach macht es ein Großteil nicht von dieser Antwort abhängig, sondern entscheidet auf Grund von Bequemlichkeit, oder Erwartungen die andere an ihn stellen.

Solltest du diese Frage mit einem NEIN beantworten, dann wird es wohl eine einfache Entscheidung:
Du lässt dich beim Kreiswehrersatzamt (KWEA) mustern und wartest das Ergebnis ab.
Ab der Tauglichkeitsstufe 3 (T3) wird niemand mehr zum Wehrdienst eingezogen. In diesem Fall braucht dann gar kein Dienst abgeleistet zu werden. Natürlich kann man über ein freiwilliges soziales Jahr nachdenken, aber man hat keine Verpflichtungen dem Staat gegenüber.

Für den Fall, dass du die oben gestellte Frage nicht eindeutig mit Nein beantworten kannst bist du -eigentlich- wehrpflichtig.

Trotzdem kann man heutzutage sagen, dass faktisch eine freie Wahlmöglichkeit besteht. Ich habe mehrmals von meinen vorgesetzten Ausbildern bei der Bundeswehr folgenden Spruch gehört “ihr seid alle freiwillig hier, also könnt ihr auch was leisten”.
Die freie Entscheidung ist also anerkannt, da nurnoch so wenige Wehrpflichtige benötigt werden, dass man diesen Bedarf auch mit “Freiwilligen” abdecken kann.

Die tatsächliche, praktische Entscheidung ist im Endeffekt doch wieder:

Was mache ich lieber, oder woraus ziehe ich einen größeren Nutzen?

Auch wer nicht auf andere Menschen schießen will (und würde(!?)) kann seine Wahl nach diesem Gesichtspunkt treffen.
Es ist von heute aus gesehen äußerst unwahrscheinlich, dass ein Wehrpflichtiger für einen Ernstfall herangezogen werden muss. Die klassische Art der Kriege, wo dutzende Infanteristen auf die Stellungen des Feindes zustürmen, wird es hier bei uns mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht mehr geben.
100% ist sie natürlich nicht, aber meiner Meinung nach groß genug um sagen zu können: auch wer nicht auf andere Menschen schießen will (wer will das schon?) sollte sich darüber Gedanken machen, ob die Bundeswehr ihm nicht bessere Erfahrungen bietet, als der Zivildienst.

Meine Entscheidung war es zur Bundeswehr zu gehen. Zum 01.07.2005 wurde ich zur Allgemeinen Grundausbildung (AGA) in das Luftwaffenausbildungsregiment 3 in Germersheim – 12. Kompanie einberufen.
Für drei Monate leistete ich dort meine Allgemeine Grundausbildung (AGA) ab, bevor es für weitere sechs Monate nach Büchel (bei Cochem, bei Koblenz) in die Luftwaffensicherungsstaffel “S” (LwSichStff “S”) ging.

Doch warum zur Bundeswehr? Gehen dahin nicht nur Nazis?
Falsch!

Das ist der erste Punkt warum ich zu diesem “Verein” wollte: Erleben, wie es dort wirklich ist!
Man hört so viel über die Bundeswehr, sehr viel negatives, unglaubliche Geschichten, von Saufgelagen und und und…
Das vieles davon übertrieben ist kann man auch als Außenstehender feststellen, aber was die Tatsachen sind kann man nicht nachfühlen, wenn man es nicht selbst durchlebt hat.

In diesem Herbst werde ich anfangen zu studieren, dass wusste ich auch schon als ich die Entscheidung vor anderthalb Jahren gefällt habe. Ein Grund “pro Bundeswehr” war, dass ich die körperliche Arbeit dort erleben wollte, die ich in meinem späteren Berufsleben wahscheinlich nicht haben werde. Ich sah die Bundeswehr als einen Ort, an dem ich Erfahrungen machen könnte, die ich in meinem sonstigen “geregelten” Leben so nie machen könnte.
Und die habe ich gemacht!

In meiner Familie war in dieser Generation bisher niemand zum Bund gegangen und man kann sagen, dass man es von mir auch nicht erwartet hat, als “bravem Schüler/ Enkel/ Neffe etc”.
Meine Entscheidung wurde von manchen mit Unverständnis und von anderen positiv aufgefasst, das ist immer so und sollte sie nicht beeinflussen (bei der Entscheidungsfindung können die Argumente dieser Menschen aber natürlich hilfreich sein).
Es wäre auch tatsächlich der “normale” Weg gewesen Zivildienst zu machen (wie die meisten meiner Freunde) – trotzdem bin froh es nicht gemacht zu haben.

Hier sind meine Erfahrungen, die ich rückblickend für meine Entwicklung als positiv und in der Bundeswehr einzigartig betrachte:

  1. Monatelang mit den gleichen 5 Soldaten auf einer kleinen Stube zu leben, mit denen man im “Real Life” niemals in Kontakt kommen würde, weil sie aus anderen sozialen Schichten kommen oder eine grundverschiedene Einstellung gegenüber der Welt haben.
    Dies ist zuerst ein sehr abschreckender Punkt, aber man öffnet sich natürlich wenn man soviel Zeit mit anderen Menschen verbringt nach und nach und erreicht auf diese Art und Weise Erfahrungen und Wissen, dass man sonst niemals in dieser Authentizität hätte erhalten können.
    Das ist der wichtigste Punkt für mich. Wenn ich einen Zivildienst-Job gehabt hätte, dann wäre ich abends nach Hause gekommen und hätte mich wahrscheinlich von dem abgeschottet, das ist in dieser Art bei der Bundeswehr nicht möglich.
    (Werdet KEIN Heimschläfer, auch wenn es bequemer ist und ihr die Möglichkeit dazu habt!)
  2. Ich habe Einblick in die Struktur der Bundeswehr erhalten, wie die Dinge ablaufen, wie Befehle gegeben werden, wie Dinge delegiert werden und v.a. wie umständlich man Probleme lösen kann. Also die Erfahrung, wie es bei einer Armee zugeht. Dies hat mich schon seit meinen Kindertagen immer fasziniertt und nun brauche ich mir über dieses Thema keine Gedanken mehr zu machen.
  3. Jeden Tag sein Bett machen zu müssen. =)
  4. In der AGA wurden wir morgens immer vom Ruf eines (Stabs-)Unteroffiziers geweckt (“Kompanie aufstehen!!!”) und abends um 23Uhr war immer “Zapfenstreich” (=Licht aus, Mund & Augen zu). Ich weiß nicht warum, aber irgendwie hatte dieses Geregelte etwas für sich :-)
  5. Das Leben in einer Kaserne mitzubekommen.
  6. Ich bin ein dreiviertel Jahr lang die meiste Zeit in Uniform unterwegs gewesen.
  7. Ich habe mit einem Gewehr (G36), einer Pistole (P8), einem Maschinengewehr, einer Granatpistole und einer Panzerfaust geschossen und eine scharfe Handgranate geworfen.
    Alles natürlich nur zum Übungszweck und nicht auf andere Menschen (wobei die G36-Übungen auf menschenähnliche Klappfallscheiben durchgeführt werden, was meines Wissens nach auch nur bei der Polizei, Bundeswehr, Bundespolizei etc. erlaubt ist in Deutschland).
  8. Der normale Alltag war unter der Woche nicht spürbar. Alle Probleme, die man wenn man noch zu Hause wohnt und in die Schule oder arbeiten geht hat sind in der Art bei der Bundeswehr nicht vorhanden. Es ist ein ganz anderes nicht vergleichbares Leben.
  9. Ein anderer Punkt, der für mich sehr interessant zu beobachten war ist, wie sich in einer neu gebildeten Gruppe die Machtverhältnisse bilden und wie man sich selbst darin eingliedert. Mein Durchsetzungsvermögen hat es massiv gestärkt.

Wenn ich Lust habe, dann kann ich immer noch ein Praktikum beim “Essen auf Rädern” machen oder in einer Einrichtung mit Behinderten arbeiten. Die Bundeswehr aber ist einzigartig und die Chance dorthin zu gelangen ist zeitlich sehr begrenzt.

Wenn du trotz dieser vielen Vorteile glaubst, dass der Zivildienst für dich auch auf lange Sicht die bessere Lösung ist, dann lass dich nicht aufhalten. :-)

Auch beim Zivildienst macht man wunderbare Erfahrungen, viel Spaß dabei!

Ich jedenfalls kann jedem nur den Wehrdienst empfehlen, auch wenn die Zeit oft furchtbar langweilig war *sg*.