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Bericht: Gespräche mit einem Zeugen Jehovas

Dienstag, November 14th, 2006

Eines Samstag morgens, gegen 12.00Uhr wurde ich aus dem Schlaf geklingelt. An meiner Tür stand ein Zeuge Jehovas und wollte mit mir über unsere Welt reden.
Schätzungsweise 95% hätten ihm die Türe wohl vor der Nase wieder verschlossen, aber da ich jederzeit offen für neue Ansichten bin habe ich mich mindestens eine Stunde echt gut mit diesem Mann unterhalten, auch wenn unsere Ansichten an vielen Stellen nicht übereinstimmen.

Die Aufgabe die Zeugen Jehovas in ihrem Leben nachgehen ist es, möglichst viele “verlorene Schafe” zurück zur Herde zu bekommen.
Was weiß bzw. wusste ich über diese Glaubensgruppierung? Wahrscheinlich könnte man meine Ansicht mit “fanatische Sekte” relativ präzise beschreiben, ein Glaubenssatz gebildet durch Erziehung in einer mehr oder weniger streng katholischen Familie.
Ein Glaubenssatz, den ich seitdem ich mich aktiv mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftige noch nicht überprüft habe, wie mir zu diesem Zeitpunkt bewusst wurde.
Es muss einen Grund geben, warum Menschen (in Deutschland immerhin ca. 165.000 (Wikipedia)) sich dieser Gruppierung anschließen. Es kann also nicht nur schlecht sein, was sie predigen.

Also beschloss ich, dem ganzen offen gegenüberzustehen, kritisch aber fair.

Wer einem Zeugen Jehovas gegenüber einmal Interesse zeigt, der wird automatisch immer wieder besucht, habe ich das Gefühl, zumindest ist es bei mir so :D
Dabei bin ich gar nicht so an der Lehre interessiert, sondern mehr an dem Menschen, was jemanden motiviert einer “Sekte” (die Einordnung kann jeder für sich vornehmen, meiner Meinung nach ist dieser Begriff zu sehr vorbelastet um ihn zu nutzen) beizutreten.
So kam es dazu, dass ich mich zwischen Tür und Angel noch mehrere Male mit diesem Menschen unterhielt und wir für heute ein Treffen bei ihm zu Hause ausmachten, da ich das nicht in meiner Wohnung machen wollte.

Um 17.00Uhr traf ich wie verabredet ein, betrat eine sehr altmodisch eingerichtete Wohnung, etwa wie die meiner Großeltern.
Das Thema dieser Sitzung, was von dem “Zeugen” vorgeschlagen wurde, nach dem er sich erkundigt hatte, indem er mich auf einer Liste von Themen das aussuchen ließ, dass mich näher interessierte, war “Geister – wie sie uns im alltäglichen Leben beeinflussen”.

Ich habe persönlich bisher keine paranormalen Erfahrungen gemacht, zumindest habe ich keine meiner Erfahrungen in meinem Leben bisher so gedeutet, was vor allem daran liegt, dass ich bis vor ca. einem halben Jahr ein sehr materialistisches Weltbild hatte, in dem Geister nicht existent waren.
Heute schließe ich die Existenz nicht mehr aus, aber ich entsprechende Erfahrungen kann ich trotzdem nicht vorweisen.

An dieser Stelle möchte ich noch ein paar Worte zu den Zeugen Jehovas verlieren, worauf ihr Glaube aufbaut:
Alles wonach sich diese Menschen richten ist die Bibel, das “Wort Gottes”.

Wer verstehen will und glauben will, was sie predigen muss also erst einmal die Bibel uneingeschränkt als Wort Gottes anerkennen.
An diesem Punkt scheitert es bei mir auch schon. Ich glaube, dass es möglich wäre, dass die Bibel tatsächlich der Wille Gottes ist, aber ich stelle das in Frage.
Das es möglich ist die Bibel in Frage zu stellen, schien für meinen Gesprächspartner gar keine mögliche Option zu sein. Denn die Bibel erklärt die Geschichte und die Gegenwart in derart präziser Art und Weise, dass man an ihrer Wahrhaftigkeit gar nicht zweifeln könne.
Ich muss sagen die Arbeit mit der Bibel versteht dieser Mann wirklich wie kein anderer, (fast) egal zu welchem Thema, in Windeseile konnte er immer eine passende Textpassage finden und zitieren.
Auch die Taten Jesu (sofern sie denn so stattgefunden haben, wie sie in der Bibel stehen), wären ein Beweis für die Existenz Gottes und das die Bibel seinen Willen ausdrücke.
Das es kein Beweis ist, will ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen.

Trotzdem will ich sagen: wer Zeuge Jehovas ist, ist glücklicher als der “Durchschnittsmensch”.
Die Religion gibt ihnen einen Auftrag und damit ein Sinn für ihr Leben: Mehr und mehr Menschen, die die “wahre Bestimmung” noch nicht kennen aufzuklären bzw. zu missionieren und ihnen damit den Weg in das ewige Leben zu ebnen.
Die Werte, die die Zeugen Jehovas vertreten sind vorbildlich und wenn jeder Bürger nach ihnen leben würde, hätten wir nur noch einen winzigen Bruchteil der Probleme, die wir jetzt haben in unserer Gesellschaft.

Sie verpflichten sich der Wahrheit und der Gerechtigkeit. Als Zeuge steht “Gott Jehova” bereit, der auch beobachtet, falls man nachts, wenn keine Menschenseele mehr auf den Beinen ist über eine rote Ampel fährt. Für einen Zeugen Jehovas undenkbar, denn er achtet die Gesetze des Staates (falls sie nicht mit den Gesetzen ihres Gottes in Widerspruch geraten), auch wenn er selbst unpolitisch bleibt um seiner Missionstätigkeit nachzugehen.
Genauso wird man kein Mitglied dieser Religion bei irgendeiner Armee dieser Welt antreffen können.

Wie gesagt: wenn sich alle Menschen so verhalten würden, dann bräuchte man seine Haustüre nicht mehr abzuschließen, man bräuchte keine Gesetze mehr und vieles mehr.
Ist das das Paradies, in das man gelangen soll, wenn man sich ausschließlich nach der Bibel richtet?
Bin ich nun ein Zeuge Jehovas geworden?

Beides kann ich verneinen.

Wenngleich ich viele Werte teile – auch ich will immer bei der Wahrheit bleiben (was oft schwieriger ist, als es sich zuerst anhört) und auch ich stelle die “allumfassende Liebe” als Grundgebot auf, der ich in meinem Leben folgen möchte – gibt es einige nicht unerhebliche Kritikpunkte.

Ich habe festgestellt, dass die ursächliche Motivation “meines” Zeugen Jehovas dieser Gruppe beizuwohnen folgende war: ANGST!
Das möchte ich näher erklären und dabei noch eine weitere Inkonsistenz im Konzept aufdecken:
Die “allumfassende Liebe”, wie sie in der Bibel gepredigt wird, besagt unter anderem: “Nachsicht” gegenüber anderen Menschen.

Die Nachsicht von Jehova ist aber mit einem Zeitlimit versehen. Wer bis zu einem bestimmten Ultimatum, das zeitlich nicht näher bekannt ist, aber in der nahen Zukunft liegen soll, kein Zeuge Jehovas ist, der wird mit der breiten Masse in die “Verderbnis stürzen”. Denn dann wird das “tausendjährige Königreich” existieren, zu dem nur den Zeugen Jehovas Zutritt haben werden.

Ist das Nachsicht? Ist das allumfassende Liebe?

Alle Menschen, die alle versuchen das beste in ihrem Leben zu erreichen, aber nicht den Zeugen Jehovas beitreten sollen nicht an dem Paradies teilhaben?
Jeder der kein “Zeuge Jehovas” ist, hat seine eigenen, ganz speziellen Gründe dafür. Es ist keine Boshaftigkeit gegenüber Gott, so er denn existiert. Jeder versucht sein bestes. Für den einen heißt das, dass er Banken ausrauben will, für den anderen, dass er eine Wohltätigkeitsorganisation gründet.
Man muss schlechte Taten nicht gut heißen, aber man kann sich sicher sein: die Person dahinter hat immer ein gutes Motiv. Sei es, dass sie sich selbst bereichert, ihre eigenen Gefühle verbessert, Aggressionen abgebaut werden etc.

Man kann diese Personen nicht dafür verurteilen, dass sie auf einer geringen Bewusstseinsstufe leben (wohl aber ihre Taten).

Deshalb kann man auch nicht sagen, dass es gerecht ist, dass diese Menschen in die Verderbnis stürzen, während die, die sich dafür entscheiden ein Zeuge Jehovas zu sein in ein Paradies gelangen.

Es dürfte nun klarer sein, warum mein Gesprächspartner ein Zeuge Jehovas ist: er will Anteil am Paradies haben und er hat Angst davor, dass wenn er nicht so lebt, dass er dann in die “Verderbnis” stürzt.

Die Liebe, wie sie in der Bibel beschrieben wird, kann er an diesem Punkt aber schon nicht mehr erreichen.

Wofür würde er das denn alles machen, wenn es sich nicht lohne?

Der in Aussicht gestellte Lohn ist die antreibende Kraft und nicht die Liebe selbst, wie es aber sein müsste.

Wenn es keine Belohnung gäbe, dann wäre es doch wesentlich angenehmer das Leben eines Bankräubers zu leben. “Dann würde das doch jeder so machen”.

An diesem Punkt muss ich feststellen, dass sich die Bibel widerspricht. Es kann nicht gleichzeitig eine allumfassende Liebe geben und eine “Gerechtigkeit”, in der die “Guten” belohnt werden und die “Bösen” bestraft.

Die Antwort, warum nicht jeder zum Bankräuber wird, auch in einem System ohne Belohnung ist, dass jeder das beste aus seinen Möglichkeiten und seinem Leben macht.
Wer eine höhere Bewusstseinsstufe erreicht, der stellt fest, dass es eine weitaus tiefer gehende Befriedigung ist, wenn man sich selbst und die Umwelt glücklich macht. Mehr sogar, dass das Glück anderer der Schlüssel zum eigenen Glück sind.

Das hat ein Bankräuber nicht verstanden. Er handelt aus Angst, nicht genügend Geld zu haben und weiß nicht, dass ihn das Geld nicht glücklich machen wird.
In einer Studie wurde festgestellt, dass die glücklichsten Menschen der Welt von der Pazifikinsel Vanuatu stammen sollen.

Ich nehme an, dass auch diese Ureinwohner in die Verderbnis stürzen sollen.
Abschließendes Fazit: es ist sehr interessant sich mit jemanden über philosophische Fragen zu unterhalten, der daran ebenso interessiert ist, wie ich es bin.

Die Zeugen Jehovas sind zumindest für mich aber keine Lösung, aus den oben genannten Gründen.

Trotzdem ist es meiner Meinung nach aber ein schlüssigeres Konzept, als es beispielsweise von der römisch-katholischen Kirche verkauft wird. Was nichts weiteres bedeutet, als das man die Zugehörigkeit zu dieser Gruppierung auch zumindest einmal überdenken sollte.
Gut ist, was glücklich macht. Wer diesem Grundsatz folgt und zu sich selbst ehrlich ist, der wird nichts falsch machen :-)

In diesem Sinne alles Gute

Raphael

Bericht: Allgemeine Grundausbildung (AGA) – die ersten Tage (2/2)

Montag, November 6th, 2006

Dies ist der zweite Teil (von 2 Teilen) des Berichts über meine Allgemeine Grundausbildung.
Zum ersten Teil gelangst du hier!

zeitlicher Ablauf

Die zeitlichen Regelungen, die von Kompanie zu Kompanie und von Teilstreitkraft zu Teilstreitkraft nochmal stark variieren können (beim Heer hat man mehr Dienst, muss meist früher aufstehen etc.) waren wie folgt:


- Frühstück war bei uns um 8.00Uhr, wenn ich mich richtig erinnere, das hieß um 7.00Uhr wurden alle aus ihren Betten geschmissen, vom UvD oder den GvDs (Gefreiter vom Dienst, ab der 2. Woche ca. wird dieser “Job” von den neuen Rekruten durchgeführt).
Dann hieß es sich in völlig überfüllte Badezimmer zu quälen, zu duschen und was man sonst noch für nötig oder nicht nötig hielt. Manche Kameraden haben ihren Wecker schon auf 6.45Uhr gestellt um nicht in der Dusche und im Badezimmer so einen Andrang zu haben, wo man dann meist echt anstehen musste.
Die Duschen sind übrigens bei der gesamten Bundeswehr Gemeinschaftsduschen (zumindest bei den Mannschaftsdienstgraden, denen man während der gesamten Grundausbildung angehört, wenn man nicht schon eine abgeschlossene Ausbildung hat, die angerechnet wird und man sich verpflichtet), das heißt ein ca. 3m mal 4m großer Raum mit 6 Duschmöglichkeiten (das kann natürlich auch variieren).
Das antreten zum Frühstück lief bei uns erst zugweise in dem jeweiligen Gang des Zuges ab, dann wurden alle rausgerufen, vor die Kompanie, wo der UvD ein paar Ankündigungen machte, u.a. welcher Zug als erstes zum essen darf, was immer viele Diskussionen ausgelöst hat, da der erste Zug natürlich a) mehr Zeit zum essen hat und b) Essen bekommt, das bei den anderen dann schon vergriffen ist (Nutella, Kakao etc.). Außerdem wurde hier die Post verteilt.
Die Essensqualität war nicht gut, aber man konnte den Hunger stillen, doch dazu evtl. später an anderer Stelle mehr.


- Um 8.45Uhr gab es dann vor den Stuben ein Gruppenantreten, wo der Gruppenführer/ stellv. Gruppenführer die Gruppe begrüßt hat, der Dienstplan und Tagesablauf wurde geschildert, Fragen können gestellt werden, die Anzugs- und Rasurkontrolle findet statt.


- Irgendwann um Mittag rum gibt es dann eine einstündige (oder 45min?) Mittagspause.


- Dienstschluss gab es um 16Uhr, normalerweise. Normalerweise heißt wenn alles gut gelaufen ist und sich kein Vorgesetzter über irgendetwas geärgert hat, was aber ziemlich häufig vorkommt :D


- Zapfenstreich um 23.00Uhr (um diese Uhrzeit müssen alle in ihren Betten liegen, es darf kein Licht mehr brennen und man soll schlafen. Wirklich zu überprüfen ist das natürlich nicht, so dass man mp3-Player z.B. ohne weiteres noch hören kann und auch lesen geht u.U.)
Einer auf jeder Stube musste bei uns noch im Sportanzug die Abmeldung durchführen (“Flieger XY, Herr Oberfeldwebel [je nach Dienstgrad des UvDs (Unteroffizier vom Dienst, der Vorgesetzte, der auch über Nacht dableibt)] ich melde ihnen die Stube 304 mit 6 Soldaten belegt, 5Soldaten in ihren Betten. Die Stube ist gelüftet, gereinigt und zur Abnahme bereit”). Dann wenn die Stube sauber war, keine Zeitungen vom Vortag mehr auf dem Aktenbock lagen (“wer will die denn noch lesen?”) konnte sich auch der letzte Soldat schlafenlegen. Ansonsten musste er noch den Müll beseitigen.



Einkleidung

Am dritten (?) Tag sind wir in die Bekleidungskammer gefahren, die außerhalb der Kaserne lag, eine ca. fünfzehnminütige Busfahrt ans andere Ende von Germersheim.
Dort gab es dann die Ausrüstungsgegenstände, auf die man schon seit dem ersten Tag gewartet hatte:
- die “richtige” grüne Flecktarn-Uniform, bis dahin waren wir immer in dem blauen Sportanzug (“Schlumpftarn” :D ) umhergelaufen
- den Gefechtshelm
- Schlafsack
- Regenausrüstung
- Kampfstiefel, Hallenschuhe und Outdoorschuhe (die Schuhe darf man am Ende der Bundeswehrzeit alle behalten, den Rest nicht!)
- Handschuhe
- Dienstanzug (für besondere Anlässe, mindestens das Gelöbnis)
- nicht zu vergessen: die “Badepantinen” und einiger weiterer Krimskrams, von dem aber alles an der ein oder anderen Stelle genutzt wurde


Ein paar Sachen, u.a. Zelt, Klappspaten lagen schon von Anfang an in unseren Spinden, man sollte darauf achten, dass auch all das da ist, wofür man unterschreibt!


Das erste mal, dass wir ein Gewehr (G36) in unseren Händen gehalten haben war gegen Ende der 2. Woche, aber man bekommt es in der AGA so oft zu sehen, dass es am Ende schon lästig wird.
ACHTUNG: bis zu diesem Zeitpunkt ist es noch möglich zu verweigern, auch wenn ihr den Dienstantritt schon hinter euch habt. Sobald ihr die erste Ausbildung mit dem Gewehr hinter euch habt ist es bedeutend schwieriger da zu argumentieren, das sollte man bedenken.


Bei der Luftwaffe sind normalerweise (wenn man nicht in der LwSichStff S landet, wie es bei mir der Fall war) das G36 und die Pistole P8 die einzigen Waffen, mit denen man während dem Wehrdienst schießt. Beim Heer kommt noch das MG3 (bzw. wird jetzt auf ein anderes, leichteres MG umgestellt) hinzu.


Heimschläfer kann man während der allgemeinen Grundausbildung nicht werden, es wäre wohl auch sehr anstrengend. Was man in der Zeit zwischen Dienstschluss und Zapfenstreich macht ist freigestellt (bzw. mussten wir um 22Uhr wieder zurück in der Kaserne/ Kompanie sein.


Von meiner Kompanie konnten alle Soldaten am ersten Wochenende nach Hause fahren, die Kompanie eines Freundes von mir, der beim Heer war, musste geschlossen in der Kaserne bleiben. Hierzu kann man also keine sicheren Aussagen treffen. Wer am 2. Wochenende GvD-Dienst hat muss unter Umständen also die ersten beiden Wochenenden in der Kaserne bleiben – Arschkarte :-D


Für die Anreise bekommt man ein Zugticket gestellt, so dass dadurch keine Kosten entstehen. Außer bei der An- und Abschleusung werden Autofahrten NICHT bezahlt!
Mir hat jemand gesagt, dass man im KWEA (Kreiswehrersatzamt) bevor man den Einberufungsbescheid erhalten hat beantragen kann anstatt der Bahnkarte die Autokosten ersetzt zu bekommen. Ob es stimmt weiß ich nicht => nachfragen!




Das war es auch schon, vom Ablauf der AGA in den ersten paar Tagen und etwas darüber hinaus. Sollten noch Fragen auftreten beantworte ich die gerne, nach Möglichkeit.

Auf der Seite Aga-macht-Gaga.de hat ein Bekannter von mir noch mehr nützliche Informationen bereitgestellt.
Wenn ihr mehr über den Wehrdienst erfahren wollt, dann schaut auf seiner Seite vorbei! :)

Bericht: Allgemeine Grundausbildung (AGA) – die ersten Tage (1/2)

Montag, November 6th, 2006

Bevor ich zum Grundwehrdienst in die 12. Kompanie des Luftwaffen- ausbildungsregiment 3 (12./LwAusbReg 3) in Germersheim einberufen wurde, habe ich mich im Internet nach Informationen, speziell was die ersten Tage während der Bundeswehrzeit angeht umgeschaut und war erstaunt, dass ich (zumindest zu diesem Zeitpunkt – mein erster Tag als Soldat war der 01.07.2005, allerdings mussten wir erst am Montag den 04.07. erscheinen) keine Informationen finden konnte.

Diesen Missstand will ich mit diesem Eintrag aus der Welt räumen und Licht in die Dunkelheit bringen :-) .

Vorgeplänkel

Im Einberufungsbescheid liegt soweit ich mich erinnere eine Erklärung bei, wie man die erste “Dienstreise” mit der Bahn kostenlos durchführen kann. Es werden aber auch die Kosten für die Anreise mit dem Auto ersetzt (das läuft über eine Kilometerpauschale, die ich nicht im Kopf habe, insgesamt ist es aber ein großzügig angesetzter Betrag).

Da ich einen eigenen PKW besitze, habe ich das natürlich ausgenutzt und mich für diese Art der Anreise entschieden.
Zwei Uhr mittags oder wie man bei der Bundeswehr sagen würde (1400 (vierzehnhundert)) war als Uhrzeit angegeben, aber wie gewöhnlich kam ich natürlich zu spät.
Ich hatte darüber vorher noch mit einem Freund gescherzt (mit der Gewissheit natürlich pünktlich sein zu wollen), da ich in meiner Schulzeit fast immer zu spät zum Unterricht gekommen war..
Als ich ankam (ca. 15min Verspätung) waren alle anderen Rekruten schon vom Tor abgeholt und von einem Vorgesetzten in die Kaserne begleitet worden.
Mein Auto stellte ich direkt neben dem Tor auf dem “Besucherparkplatz” ab (diese Parkplätze sind für Besucher freizuhalten! :-D ).

Mit meiner Tasche bepackt, dem Einberufungsbescheid und Personalausweis in der Hand konnte ich tatsächlich ohne weitere Probleme das Tor passieren und nach weiteren Nachfragen bei Soldaten innerhalb des Kasernengeländes konnte ich auch zu dem Gebäude meiner Kompanie (12., steht auf dem Einberufungsbescheid) finden.

Jede Kaserne hat übrigens neben dem großen Tor für die Autofahrer auch eine “normale” Tür im Zaun, die man als Fußgänger nutzen sollte, ansonsten kann es schnell passieren, dass man vom Wachhabenden direkt mal zurechtgestutzt wird. Am Anfang lassen sie dazu keine Gelegenheit aus.

Im Eingangsbereich war ein Tisch aufgestellt, die Treppe hoch reihten sich in zivil gekleidete “Jugendliche” in meinem Alter (das ganze war eher weniger diszipliniert, wer sich an die Wand lehnte wurde mit einem unter den tausend Standardsprüchen, die jeder BW-Soldat in seinem Repertoire hat darauf hingewiesen: “die Wand steht auch ohne Sie!” … ).

Von Disziplin kann allerdings auch auf Seiten der Stammsoldaten (die Soldaten, die nicht zur Ausbildung in der Kaserne sind, sondern dauerhaft als Ausbilder oder mit einer anderen Tätigkeit) nicht die Rede sein. Es gab einen Zettel mit Stationen, die man durchlaufen musste, wobei manche Stationen allerdings sehr lange brauchten und andere eben nur sehr kurz. Dadurch gab es schon bald sehr lange Warteschlangen vor den Stationen, die länger brauchten.
Der Lösungsversuch die Rekruten aus dem hinteren Teil der Schlange zu anderen Stationen umzuleiten war nicht ohne weiteres durchzuführen, da diese oft schon die entsprechenden anderen Stationen gemacht hatten. Die, die sie noch nicht hatten wollten allerdings nicht aus der Schlange, weil sie schon so weit vorne standen.

Auf Grund dieser mangelhaften Organisation könnte man glauben, dass es die erste Einschleusung (so der “offizielle” Bundeswehr-Begriff) in dieser Kompanie gewesen ist. Es handelt sich allerdings um eine Ausbildungskompanie, die seit X Jahren vier mal im Jahr dieses Prozedere durchläuft. Trotzdem hat niemand einen richtigen Plan aufgestellt, der funktioniert und auch eingehalten werden kann – symptomatisch für die Bundeswehr…
Aber es war ja einer der Vorgesetzten krank erklärte man uns (der wusste schon, warum er lieber zu Hause geblieben ist :D )

Der Ablauf der Einschleusung

Nun aber konkreter zum Ablauf des ersten Tages.
Wer hofft seine Uniform schon im Spind hängen zu haben erst einmal zu exerzieren, den muss ich an dieser Stelle enttäuschen.
Die erste Bekleidung ist der babyblaue baumwollene Sportanzug, bestehend aus “Trikot”, Jacke und Hose (T-Shirt, Trainingsjacke, Hose) mit schwarzem Bundesadler auf Jacke und Shirt ;-) .

Am Tisch im Eingang des Gebäudes bekam jeder Rekrut als erstes einen Kugelschreiber (von miserabler Qualität, die meisten Werbekullis schreiben besser) und einen Schreibblock ausgehändigt – bei mir von einer gut gelaunten (Ironie!) Frau Oberfeldwebel. Den Dienstgrad konnteich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht erkennen, aber keine Angst, das lernt man früh genug (Oberfeldwebel ist übrigens dieses Symbol: “>>”).

Vorne auf den Block sollte man dann die PK (Personenkennziffer) und den Namen schreiben.
Die Personenkennziffer begleitet euch eure gesamte Bundeswehrzeit, sie ist eure Identifikationsnummer, die bspw. auch auf der “Hundemarke” eingraviert ist (wenn sich dabei niemand verschrieben hat, kommt alles vor *g*).

Die Stationen, die man durchlaufen musste, waren:

  1. das Beziehen der Stube
    Die Stube, auf die man kommt kann man sich nicht aussuchen, man bekommt eine Stube zugewiesen und wenn man Glück hat kann man sich dann ein Bett aussuchen. Ich habe das obere Bett eines der drei Doppelbetten gewählt, was ich nur empfehlen kann!
    Außerdem bekamen wir den Schlüssel für unseren Spind ausgehändigt. Das Außen-Vorhänge-Schloss war also schon am Spind dran, ein weiteres Schloss für das Privatfach, dass innerhalb des Spinds liegt sollte man dabei haben.
  2. Angabe der Bankdaten, damit der Wehrsold auch überwiesen werden kann :-)
  3. Meldung im Geschäftszimmer (Angabe von ein paar Daten)
  4. Medizinische Untersuchung (wenn man sagt, dass sich der Gesundheitsstand seit der Musterung nicht geändert hat wird das festgehalten und man kann wieder gehen)

An die einzelnen anderen Stationen kann ich mich nicht mehr erinnern.

Als dieses Prozedere fertig war wurde die gesamte Kompanie (eine Kompanie sind mehrere Züge (in der AGA waren es 3), die jeweils aus 4 Gruppen bestehen, mit jeweils ca. 12Soldaten (=2 Stuben)), also ca. 150 Mann in den KUR = Kompanie-Unterrichts-Raum gerufen, wo der Kompaniechef & Spieß (Kompaniefeldwebel, der mit der gelben Schnur um die Schulter) sich vorgestellt und uns eingewiesen haben.

Zum zweiten Teil des Berichts gelangst du hier.