Archiv für November 2006

Bericht: Allgemeine Grundausbildung (AGA) – die ersten Tage (1/2)

Montag, 6. November 2006

Bevor ich zum Grundwehrdienst in die 12. Kompanie des Luftwaffen- ausbildungsregiment 3 (12./LwAusbReg 3) in Germersheim einberufen wurde, habe ich mich im Internet nach Informationen, speziell was die ersten Tage während der Bundeswehrzeit angeht umgeschaut und war erstaunt, dass ich (zumindest zu diesem Zeitpunkt – mein erster Tag als Soldat war der 01.07.2005, allerdings mussten wir erst am Montag den 04.07. erscheinen) keine Informationen finden konnte.

Diesen Missstand will ich mit diesem Eintrag aus der Welt räumen und Licht in die Dunkelheit bringen :-) .

Vorgeplänkel

Im Einberufungsbescheid liegt soweit ich mich erinnere eine Erklärung bei, wie man die erste “Dienstreise” mit der Bahn kostenlos durchführen kann. Es werden aber auch die Kosten für die Anreise mit dem Auto ersetzt (das läuft über eine Kilometerpauschale, die ich nicht im Kopf habe, insgesamt ist es aber ein großzügig angesetzter Betrag).

Da ich einen eigenen PKW besitze, habe ich das natürlich ausgenutzt und mich für diese Art der Anreise entschieden.
Zwei Uhr mittags oder wie man bei der Bundeswehr sagen würde (1400 (vierzehnhundert)) war als Uhrzeit angegeben, aber wie gewöhnlich kam ich natürlich zu spät.
Ich hatte darüber vorher noch mit einem Freund gescherzt (mit der Gewissheit natürlich pünktlich sein zu wollen), da ich in meiner Schulzeit fast immer zu spät zum Unterricht gekommen war..
Als ich ankam (ca. 15min Verspätung) waren alle anderen Rekruten schon vom Tor abgeholt und von einem Vorgesetzten in die Kaserne begleitet worden.
Mein Auto stellte ich direkt neben dem Tor auf dem “Besucherparkplatz” ab (diese Parkplätze sind für Besucher freizuhalten! :-D ).

Mit meiner Tasche bepackt, dem Einberufungsbescheid und Personalausweis in der Hand konnte ich tatsächlich ohne weitere Probleme das Tor passieren und nach weiteren Nachfragen bei Soldaten innerhalb des Kasernengeländes konnte ich auch zu dem Gebäude meiner Kompanie (12., steht auf dem Einberufungsbescheid) finden.

Jede Kaserne hat übrigens neben dem großen Tor für die Autofahrer auch eine “normale” Tür im Zaun, die man als Fußgänger nutzen sollte, ansonsten kann es schnell passieren, dass man vom Wachhabenden direkt mal zurechtgestutzt wird. Am Anfang lassen sie dazu keine Gelegenheit aus.

Im Eingangsbereich war ein Tisch aufgestellt, die Treppe hoch reihten sich in zivil gekleidete “Jugendliche” in meinem Alter (das ganze war eher weniger diszipliniert, wer sich an die Wand lehnte wurde mit einem unter den tausend Standardsprüchen, die jeder BW-Soldat in seinem Repertoire hat darauf hingewiesen: “die Wand steht auch ohne Sie!” … ).

Von Disziplin kann allerdings auch auf Seiten der Stammsoldaten (die Soldaten, die nicht zur Ausbildung in der Kaserne sind, sondern dauerhaft als Ausbilder oder mit einer anderen Tätigkeit) nicht die Rede sein. Es gab einen Zettel mit Stationen, die man durchlaufen musste, wobei manche Stationen allerdings sehr lange brauchten und andere eben nur sehr kurz. Dadurch gab es schon bald sehr lange Warteschlangen vor den Stationen, die länger brauchten.
Der Lösungsversuch die Rekruten aus dem hinteren Teil der Schlange zu anderen Stationen umzuleiten war nicht ohne weiteres durchzuführen, da diese oft schon die entsprechenden anderen Stationen gemacht hatten. Die, die sie noch nicht hatten wollten allerdings nicht aus der Schlange, weil sie schon so weit vorne standen.

Auf Grund dieser mangelhaften Organisation könnte man glauben, dass es die erste Einschleusung (so der “offizielle” Bundeswehr-Begriff) in dieser Kompanie gewesen ist. Es handelt sich allerdings um eine Ausbildungskompanie, die seit X Jahren vier mal im Jahr dieses Prozedere durchläuft. Trotzdem hat niemand einen richtigen Plan aufgestellt, der funktioniert und auch eingehalten werden kann – symptomatisch für die Bundeswehr…
Aber es war ja einer der Vorgesetzten krank erklärte man uns (der wusste schon, warum er lieber zu Hause geblieben ist :D )

Der Ablauf der Einschleusung

Nun aber konkreter zum Ablauf des ersten Tages.
Wer hofft seine Uniform schon im Spind hängen zu haben erst einmal zu exerzieren, den muss ich an dieser Stelle enttäuschen.
Die erste Bekleidung ist der babyblaue baumwollene Sportanzug, bestehend aus “Trikot”, Jacke und Hose (T-Shirt, Trainingsjacke, Hose) mit schwarzem Bundesadler auf Jacke und Shirt ;-) .

Am Tisch im Eingang des Gebäudes bekam jeder Rekrut als erstes einen Kugelschreiber (von miserabler Qualität, die meisten Werbekullis schreiben besser) und einen Schreibblock ausgehändigt – bei mir von einer gut gelaunten (Ironie!) Frau Oberfeldwebel. Den Dienstgrad konnteich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht erkennen, aber keine Angst, das lernt man früh genug (Oberfeldwebel ist übrigens dieses Symbol: “>>”).

Vorne auf den Block sollte man dann die PK (Personenkennziffer) und den Namen schreiben.
Die Personenkennziffer begleitet euch eure gesamte Bundeswehrzeit, sie ist eure Identifikationsnummer, die bspw. auch auf der “Hundemarke” eingraviert ist (wenn sich dabei niemand verschrieben hat, kommt alles vor *g*).

Die Stationen, die man durchlaufen musste, waren:

  1. das Beziehen der Stube
    Die Stube, auf die man kommt kann man sich nicht aussuchen, man bekommt eine Stube zugewiesen und wenn man Glück hat kann man sich dann ein Bett aussuchen. Ich habe das obere Bett eines der drei Doppelbetten gewählt, was ich nur empfehlen kann!
    Außerdem bekamen wir den Schlüssel für unseren Spind ausgehändigt. Das Außen-Vorhänge-Schloss war also schon am Spind dran, ein weiteres Schloss für das Privatfach, dass innerhalb des Spinds liegt sollte man dabei haben.
  2. Angabe der Bankdaten, damit der Wehrsold auch überwiesen werden kann :-)
  3. Meldung im Geschäftszimmer (Angabe von ein paar Daten)
  4. Medizinische Untersuchung (wenn man sagt, dass sich der Gesundheitsstand seit der Musterung nicht geändert hat wird das festgehalten und man kann wieder gehen)

An die einzelnen anderen Stationen kann ich mich nicht mehr erinnern.

Als dieses Prozedere fertig war wurde die gesamte Kompanie (eine Kompanie sind mehrere Züge (in der AGA waren es 3), die jeweils aus 4 Gruppen bestehen, mit jeweils ca. 12Soldaten (=2 Stuben)), also ca. 150 Mann in den KUR = Kompanie-Unterrichts-Raum gerufen, wo der Kompaniechef & Spieß (Kompaniefeldwebel, der mit der gelben Schnur um die Schulter) sich vorgestellt und uns eingewiesen haben.

Zum zweiten Teil des Berichts gelangst du hier.

EB: Prof. John Nash an der Uni Köln

Donnerstag, 2. November 2006

Vor ca. einem Jahr habe ich den Film A Beautiful Mind auf DVD angesehen. Er handelt vom Leben von John Nash, der an Schizophrenie leidet/ litt, gleichzeitig aber ein genialer Mathematiker ist. Für seine Forschungen und Erkenntnisse in der Spieltheorie hat er 1994 zusammen mit dem deutschen Prof. Selten den Wirtschaftsnobelpreis erhalten.


Im Film wird das Leben von John Nash aus seiner Sicht geschildert, was sehr eindrucksvoll gelingt, wie vier Oskars belegen. Wer den Film noch nicht gesehen hat, dem kann ich dies wärmstens ans Herz legen :) .


Heute am 2. November gab es eine Veranstaltung an der Universität Köln, auf der die beiden Professoren anwesend waren und Fragen beantworten wollten.


“A Beautiful Mind” hatte mein Interesse an der Person “John Nash” geweckt, daher beschloss ich eine Studiumsveranstaltung ausfallen zu lassen und zu dem Symposium zu gehen.
Das ganze fand im größten Hörsaal der Uni Köln statt – der Aula 1. Doch auch die war bei weitem zu klein. Vor den Türen sammelten sich noch mindestens hundert weitere Interessenten, aber alle Plätze der Aula waren besetzt, so dass niemand mehr eingelassen wurde.


Ich war eigentlich schon zu spät, als ich um 17:30Uhr ankam. Durch etwas Glück und Dreistigkeit bin ich dann doch noch kurz vor dem Start um 18:00Uhr in die Aula gelangt und habe mich ziemlich weit vorne auf die Treppe gesetzt, wo noch Platz war. Bessere Sicht, als so mancher, der schon ein paar Stunden vorher dagewesen war. (Ich habe einen alten Klassenkameraden getroffen, der extra aus Bayreuth angereist war und er war bestimmt nicht der Einzige, der so eine weite Anreise in Kauf genommen hatte, denn wie gesagt J. Nash sieht man nicht alle Tage in Deutschland :) ).


Nachdem der Rektor der Uni mit seiner Selbstbeweihräucherung (bzw. v.a. der Uni Köln) fertig war, gab Prof. Ockenfels, der schon längere Zeit mit Prof. Selten zusammenarbeitet eine Einführung in die Spieltheorie. Grob gesagt geht es darum, wie man die Interaktionen von mehreren Menschen untereinander erfassen und vorhersagen kann, das Verhalten des Einzelnen in einer Gruppe.


Danach konnten sich die beiden Nobelpreisträger noch selbst vorstellen, was aber sehr knapp ausfiel (Prof. Selten vertrat die Meinung, dass vor ihm schon mehr genügend gesagt wurde und er nicht noch mehr Zeit “verplempern” wollte, sondern direkt mit den Fragen beginnen, worauf er viel Beifall bekam.)


Bild: Spieltheorie-Symposion mit Prof. Nash

Es wurden vor allem Fragen zur Spieltheorie und experimentellen Wirtschaftsforschung gestellt. Den Großteil der Fragen beantwortete Prof. Selten, meistens zufriedenstellend für den Fragesteller. Das war bei den Antworten von J. Nash eher seltener der Fall, fanden ich und einige Mitstudierenden.
Ich denke es fehlte ihm die “soziale Intelligenz” um die Intention des Fragestellers zu erfassen und darauf dann eine Antwort zu geben. Vielleicht waren die Fragen auch zu trivial, aber meistens gab er nur ein paar wenige Statements (in nicht ganz leicht verständlichem Englisch) und meinte dann: “that’s all I can say about that, I think”.
Vor einiger Zeit habe ich mit einer Psychologie-Studentin, die mit Hochbegabten zusammengearbeitet hat ein interessantes Gespräch gehabt, in dem herauskam, dass diese (laut IQ-Tests) Hochbegabten oft nicht in der Lage sind “normale” Fragen zu erfassen und befriedigend zu beantworten.


Genie und Wahnsinn liegen nah beieinander, sagt ein Sprichwort und da ist viel wahres dran, auch in diesem Fall.


Die Frage, die viele Zuschauer wohl am meisten interessiert hat wurde auch gestellt:

Prof. Nash, wie empfinden sie die Darstellung ihrer Person im Film “A Beautiful Mind”?

Leider wollte er auf diese Frage nicht antworten, es gehe doch um inhaltliche Fragen und diese Frage bekomme er außerdem ständig…


Mich hätte die Antwort sehr interessiert um die Person John Nash besser erfassen zu können – Schade.


Für erwähnenswert halte ich auch noch die Antworten auf die Frage, was das größte Problem sei, dass die Menschheit zu lösen hat und was die Spieltheorie zu deren Lösung beitragen könne.


Prof. Selten führte die Arbeitslosigkeit an (da war ich etwas enttäuscht, denn meiner Meinung nach ist die Arbeitslosigkeit selbst kein echtes Problem (bei Interesse kann ich hierzu noch mehr schreiben)).
Für Prof. Nash ist “global warming” (die globale Erderwärmung) das Hauptproblem überhaupt (damit kann ich schon mehr anfangen ;-) ).


Beide Probleme sind mit der Spieltheorie/ experimentellen Wirtschaftsforschung übrigens nicht zu lösen, aber sie kann zur Lösung beitragen.


Für mich hat sich die Veranstaltung gelohnt, es war sehr interessant. Viele andere waren enttäuscht, was ich mitbekommen habe. Davon, dass Nash nicht so gut auf die Fragen eingegangen ist bspw.
Das fand ich allerdings einen der interessantesten Punkte, denn wenn ich in die Spieltheorie einsteigen oder mehr darüber erfahren will, dann kann ich mir auch die wissenschaftlichen Arbeiten dazu durchlesen und mir alle benötigten Details besorgen.

(Video) Where the hell is Matt?

Donnerstag, 2. November 2006

Dieses sehr inspirierende Video will ich euch nicht vorenthalten :-)
Viel Spaß!



Video bei Youtube