Bevor ich zum Grundwehrdienst in die 12. Kompanie des Luftwaffen- ausbildungsregiment 3 (12./LwAusbReg 3) in Germersheim einberufen wurde, habe ich mich im Internet nach Informationen, speziell was die ersten Tage während der Bundeswehrzeit angeht umgeschaut und war erstaunt, dass ich (zumindest zu diesem Zeitpunkt – mein erster Tag als Soldat war der 01.07.2005, allerdings mussten wir erst am Montag den 04.07. erscheinen) keine Informationen finden konnte.
Diesen Missstand will ich mit diesem Eintrag aus der Welt räumen und Licht in die Dunkelheit bringen
.
Vorgeplänkel
Da ich einen eigenen PKW besitze, habe ich das natürlich ausgenutzt und mich für diese Art der Anreise entschieden.
Zwei Uhr mittags oder wie man bei der Bundeswehr sagen würde (1400 (vierzehnhundert)) war als Uhrzeit angegeben, aber wie gewöhnlich kam ich natürlich zu spät.
Ich hatte darüber vorher noch mit einem Freund gescherzt (mit der Gewissheit natürlich pünktlich sein zu wollen), da ich in meiner Schulzeit fast immer zu spät zum Unterricht gekommen war..
Als ich ankam (ca. 15min Verspätung) waren alle anderen Rekruten schon vom Tor abgeholt und von einem Vorgesetzten in die Kaserne begleitet worden.
Mein Auto stellte ich direkt neben dem Tor auf dem “Besucherparkplatz” ab (diese Parkplätze sind für Besucher freizuhalten!
).
Mit meiner Tasche bepackt, dem Einberufungsbescheid und Personalausweis in der Hand konnte ich tatsächlich ohne weitere Probleme das Tor passieren und nach weiteren Nachfragen bei Soldaten innerhalb des Kasernengeländes konnte ich auch zu dem Gebäude meiner Kompanie (12., steht auf dem Einberufungsbescheid) finden.
Jede Kaserne hat übrigens neben dem großen Tor für die Autofahrer auch eine “normale” Tür im Zaun, die man als Fußgänger nutzen sollte, ansonsten kann es schnell passieren, dass man vom Wachhabenden direkt mal zurechtgestutzt wird. Am Anfang lassen sie dazu keine Gelegenheit aus.
Im Eingangsbereich war ein Tisch aufgestellt, die Treppe hoch reihten sich in zivil gekleidete “Jugendliche” in meinem Alter (das ganze war eher weniger diszipliniert, wer sich an die Wand lehnte wurde mit einem unter den tausend Standardsprüchen, die jeder BW-Soldat in seinem Repertoire hat darauf hingewiesen: “die Wand steht auch ohne Sie!” … ).
Von Disziplin kann allerdings auch auf Seiten der Stammsoldaten (die Soldaten, die nicht zur Ausbildung in der Kaserne sind, sondern dauerhaft als Ausbilder oder mit einer anderen Tätigkeit) nicht die Rede sein. Es gab einen Zettel mit Stationen, die man durchlaufen musste, wobei manche Stationen allerdings sehr lange brauchten und andere eben nur sehr kurz. Dadurch gab es schon bald sehr lange Warteschlangen vor den Stationen, die länger brauchten.
Der Lösungsversuch die Rekruten aus dem hinteren Teil der Schlange zu anderen Stationen umzuleiten war nicht ohne weiteres durchzuführen, da diese oft schon die entsprechenden anderen Stationen gemacht hatten. Die, die sie noch nicht hatten wollten allerdings nicht aus der Schlange, weil sie schon so weit vorne standen.
Auf Grund dieser mangelhaften Organisation könnte man glauben, dass es die erste Einschleusung (so der “offizielle” Bundeswehr-Begriff) in dieser Kompanie gewesen ist. Es handelt sich allerdings um eine Ausbildungskompanie, die seit X Jahren vier mal im Jahr dieses Prozedere durchläuft. Trotzdem hat niemand einen richtigen Plan aufgestellt, der funktioniert und auch eingehalten werden kann – symptomatisch für die Bundeswehr…
Aber es war ja einer der Vorgesetzten krank erklärte man uns (der wusste schon, warum er lieber zu Hause geblieben ist
)
Der Ablauf der Einschleusung
Wer hofft seine Uniform schon im Spind hängen zu haben erst einmal zu exerzieren, den muss ich an dieser Stelle enttäuschen.
Die erste Bekleidung ist der babyblaue baumwollene Sportanzug, bestehend aus “Trikot”, Jacke und Hose (T-Shirt, Trainingsjacke, Hose) mit schwarzem Bundesadler auf Jacke und Shirt
Am Tisch im Eingang des Gebäudes bekam jeder Rekrut als erstes einen Kugelschreiber (von miserabler Qualität, die meisten Werbekullis schreiben besser) und einen Schreibblock ausgehändigt – bei mir von einer gut gelaunten (Ironie!) Frau Oberfeldwebel. Den Dienstgrad konnteich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht erkennen, aber keine Angst, das lernt man früh genug (Oberfeldwebel ist übrigens dieses Symbol: “>>”).
Vorne auf den Block sollte man dann die PK (Personenkennziffer) und den Namen schreiben.
Die Personenkennziffer begleitet euch eure gesamte Bundeswehrzeit, sie ist eure Identifikationsnummer, die bspw. auch auf der “Hundemarke” eingraviert ist (wenn sich dabei niemand verschrieben hat, kommt alles vor *g*).
Die Stationen, die man durchlaufen musste, waren:
- das Beziehen der Stube
Die Stube, auf die man kommt kann man sich nicht aussuchen, man bekommt eine Stube zugewiesen und wenn man Glück hat kann man sich dann ein Bett aussuchen. Ich habe das obere Bett eines der drei Doppelbetten gewählt, was ich nur empfehlen kann!
Außerdem bekamen wir den Schlüssel für unseren Spind ausgehändigt. Das Außen-Vorhänge-Schloss war also schon am Spind dran, ein weiteres Schloss für das Privatfach, dass innerhalb des Spinds liegt sollte man dabei haben. - Angabe der Bankdaten, damit der Wehrsold auch überwiesen werden kann
- Meldung im Geschäftszimmer (Angabe von ein paar Daten)
- Medizinische Untersuchung (wenn man sagt, dass sich der Gesundheitsstand seit der Musterung nicht geändert hat wird das festgehalten und man kann wieder gehen)
An die einzelnen anderen Stationen kann ich mich nicht mehr erinnern.
Als dieses Prozedere fertig war wurde die gesamte Kompanie (eine Kompanie sind mehrere Züge (in der AGA waren es 3), die jeweils aus 4 Gruppen bestehen, mit jeweils ca. 12Soldaten (=2 Stuben)), also ca. 150 Mann in den KUR = Kompanie-Unterrichts-Raum gerufen, wo der Kompaniechef & Spieß (Kompaniefeldwebel, der mit der gelben Schnur um die Schulter) sich vorgestellt und uns eingewiesen haben.
Zum zweiten Teil des Berichts gelangst du hier.
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